Die Geschichte des Bieres in Weißenfels

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Fast jedes Kloster hatte einen Gasthof, wo es für Pilger und Kaufleute kostenlos einen Trank und etwas zu essen für eine kurze Rast gab. Der Pilger schenkte dem Kloster meist eine Reliquie die er aus dem heiligen Land mitbrachte. Der Handelsmann dagegen opferte Wachs, Spezereien oder Stoff für Altarbekleidung. Auch in Weißenfels gab es ja bekanntlich seit 1285 ein reichbegütertes St. Claren-Kloster. Als die Straßen größer wurden, mußte man eine Art Herberge errichten. Auch in Weißenfels gab es eine solche Herberge. "Das Kalandhaus". Über 200 Jahre hat es das klösterliche Gastrecht ausgeübt. Das Kloster gab den Kalandbrüdern Raum und Speise. Die Kalandbrüder wahrem Almosensammler die das Geld zur Pflege und Wartung kranker Menschen benutzen. Eine andere Herberge für öffentlichen Gebrauch kannte Weißenfels bis zur Reformation nicht. 1539 mußte das Kalandhaus seine Pforten schließen.

Etwas anderes ist es natürlich mit den Schankhäusern, die ohne Gastrecht begabt einen Trunk dem Durstigen Wanderer reichen durfte. Wohl gemerkt: einen Trunk!

1454 bekam Weißenfels dann das Braurecht. Wer über Rohstoffe und Gebäude verfügte, konnte brauen. Damals lag das Recht auf alle 279 Häuser innerhalb der Stadtmauer. Das St. Claren und Beuditz Kloster fielen dann der Stadt in den Besitz. (Kloster lösten sich auf). Die Herren Bürgermeister wurden Brauhausbesitzer. Es gab in der Zeit dann etwa 900 verschieden Gebräue, was den Brauhäusern zur lohnenden Quelle wird. (1845 wird das Brauprivilegium der 279 Brauberechtigten Häuser in Altstadt aufgehoben).

Verschenken oder Ausschenken kann der Brauberechtigte das Bier entweder in seiner eigenen Behausung oder im Lagerkeller, die für die Weißenfelser unter den Schlossberg und unter dem Georgenberg zu finden sind.

Man nannte sie Schankkeller, weil im Sommer das Bier nur im Keller ausgeschenkt wurde. (Nicht mit einer Gaststätte oder Gasthaus verwechseln). Sie Bezeichnetet sich oft nach Tieren wie Rabe, Esel, Eule oder Bär. „Der rote Löwe“ am Georgenberg, war der bequemste und beste der Stadt Weißenfels. Hier trafen sich Bürger und Handwerker um sich an dem kühlen Naß im kühlen Keller zu erfreuen. Etwa um 1500 befand sich der Schankkeller „Zum roten Löwen“ am Georgenberg.

Kurze Zeit später wohnte der Herzog August mit seiner jungen Anna von Dänemark auf der alten Burg Weißenfels. Die Stadt erhielt ein privilegiertes Schankhaus. Auf dem Grundstück des ehemaligen Roland in der Nikolaistraße. Hier wohnte der Amtmann des Herzogs, der ein wichtiger Haus und Dekonomieverwalter war, und ein Pfiffikus. Er war ein Wegbereiter für die fürsorgliche Wasserversorgung der Stadt. (Langendorf-Weißenfels). Des Herzogs Dankbarkeit lohnte sich: Amtmann Simon Rost darf für sich und seine Nachkommen vom 27. Mai 1552 ab auf ewige Zeiten 4 und ein einviertel ganze Biere ohne jede Belastung brauen und diese in seinen Häusern ausschenken.

Das erste öffentliche Schenkhaus ist in Weißenfels geschaffen. Ein weiters entstand im „Lorickesche Haus“ auch in der Nikolaistraße und ein drittes in der Burgstraße. („Zum Bayrischen Hof“) Alle drei lagen sozusagen an der Handelsstraße Frankfurt a. Main – Leipzig. Die Stadt sah dann auch eine schöne Steuereinnahme im Bier, was bis dahin Steuerfrei war. 1502 wird die Biersteuer (der Bierzehnt) eingeführt. 1513 kommt die Weinsteuer (Weinzehnt) dazu.

Um 1560 haben wir in der Nikolaistraße schon 4 Gasthöfe. „Goldener Esel“, „Ratskeller“, die „Sackpfeife“ und den "Rostschen Schenkkeller" den „Ronald“. Der „Schwarze Adler“ (1551) an der Schwemme. In der Burgstraße entsteht der Gasthof „Schwanen“. Und der „Nelkenbusch“ (1612) in der Jüdenstraße. Und in der Klingenstraße der Gasthof „Zum schwarzen Bären“ (1639 abgebrannt). An der Saalstraße steht der „Güldene Petsching-Ring“ (Der Goldene Ring)

Von 1673 wird von 3 Gasthöfen berichtet, die vom Administrator Augustus „herzoglich privilegiert“ wurden. Der alte „Rats- und Weinkeller“ im Untergeschoß des Rathauses. Der „Rautenstock“ (1670 erbaut) vor dem Niklastor und „Zu den 11.000 Jungfrauen“ vor dem Saaltore. Nur die Schloßkellerei lieferte ihnen Wein, wie es im Privilegium des Rautenkranzes 1669 zum Ausdruck bringt.

Von der Beendung des Bruderkrieges 1451 bis zum 30 Jährigen Krieg 1624 hat die Stadt Weißenfels eine fast kriegsfreie Zeit erlebt (175 Jahre).

Das Handwerk entwickelte sich sehr gut, das Bürgertum lebte auf und der streben nach Gemeinschaftssinn. Es entstehen die Gilde und Zunfthäuser dort wo eine Gemeinschaft eines Handwerkes vorhanden ist. In Weißenfels ist es besonders die Schumacherzunft in der Marienstraße, die eine eigene Herberge und Zunfthaus besitzt. Neben dem Schustergildehaus, entsteht in der Stadt für alle wandernden Handwerksgesellen eine allgemeine Herberge…

Bierkrieg

  • 1447 kam es zum Bierkrieg mit Leipzig. Leipziger hatten sich Naumburger Bier bezogen und weigerten sich bei der Durchfuhr durch Weißenfels Zoll zu entrichten.
  • 28. Juni 1598 begaben sich bewaffnete Bürger nach Burgwerben und nahmen das fremde Bier, das dort eingeführt war, weg, weil es den Dörfern innerhalb der Bannmeile nicht gestattet war, fremdes Bier zu kaufen oder Bier selber zu brauen. Das Bier mußte aus der Stadt sein.

Quelle

Weissenfelser Tageblatt - 750 Jahre Weissenfels 1935

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