Der Schloßturmbrand vom 22. Dezember 1932

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22. Dezember 1932 - Der Schloßturm brennt

Zwei Tage vor dem Weihnachtsfest 1932. Ganz Weißenfels rüstete zum Fest. Die Läden waren überfüllt, und abends nach Geschäftsschluß war jeder froh, wenn er der kalten, unfreundlichen Witterung daheim bleiben und von des Tages Mühe ausruhen konnte. Nachts 3:31 Uhr weckt Feueralarm die Schläfer auf, sie eilen an die Fenster, feurige Röte erhellt die Winternacht: der Schlossturm brennt.

Inhaltsverzeichnis

Die Brandbekämpfung

Bild von Sicht des Kaiser Wilhelm Denkmals )

11 Schlauchleitungen wurden gelegt. Erleichtert wurde die Bekämpfung des Feuers, daß man das aus verschiedenen Hydranten der Zeitzerstraße und anderen Straßen durch Hunderte von Metern lange Schlauchleitungen entnommene Wasser in die Wasserbecken der Zierbrunnen im Schloßhof leitete und diese ständig gefüllt hielt. Die Feuerwehr aus den größeren umliegenden Städten kam zu Hilfe und somit konnte ein Übergreifen der Flammen auf das ganze Schloß verhindert werden. Der Schloßturm mit seiner Glocke war aber vernichtet.

Brandursache

Heruntergefallen Brandreste
Vor und nach dem Brand )

In den Bericht über den Brand der Kuppel des Schlosses wird als mögliche Brandursache Kurzschluß in der elektrischen Uhrenanlage vermutet mit dem Hinweis, daß die Schloßuhr um 21:40 Uhr stehen geblieben sei. Es fehlt aber jeglicher Beweis dafür. Ein Kurzschluß in der Uhrenanlage hätte außerdem auch in der Zentraluhrenanlage in der Feuerwache bemerkt werden müssen. Diese Anlage hat aber keine Störung gemeldet. Auch daraus, das die Uhr 21:40 Uhr stehen blieb, kann noch keine Folgerung gezogen werden, da die Uhr in letzter Zeit vor dem Brand verschiedenlich hängen blieb. Eine weitere Vermutung war, das Funkenflug aus einem benachbarten Schornstein die Ursache war. Die Polizei glaubte einwandfrei feststellen zu können, daß die Ursache des Brandes mit großer Wahrscheinlichkeit nur in der elektrischen Uhrenanlage zu suchen ist, da jede andere Brandursache ausgeschlossen sei und die Tür zum Turm fest verschlossen war.

Unsinnige Gerüchte

Schloßkugel wird zum Schloß gebracht. (Ecke Friedrichsplatz / Friedrichsstraße )
Wenn ein Unglück passiert, dauert es auch nicht lange und es tauchen Gerüchte in der Bevölkerung auf. Das Weißenfelser Tageblatt berichtet davon.

Quelle: Weissenfelser Tageblatt vom 23. Dezember 1932


Unsinnige Gerüchte
Der Schloßbrand hat Anlaß zum Umlauf tollster Gerüchte gegeben. Mehrere Schupobeamte sollen tot sein, der große Uhrenzeiger sollte beim herabfallen einen Schupobeamten durchbohrt haben usw. Auch in den Berichten auswärtiger Blätter sind eine Menge Unrichtigkeiten. So sollte Wassermangel geherrscht haben; ja, es wurde sogar gemeldet, daß man das Löschwasser aus der Saale geholt habe! Nicht nur die Schloßuhr, sondern die sämtlichen Uhren der Stadt sollten stehengeblieben sein. Auch die geschichtlichen Rückblicke auswärtiger Blätter erhielten zahlreiche Unstimmigkeiten. Der Rundfunk meldete sogar nicht nur die Vernichtung des Schloßturmes, sondern des ganzen Mittelbaues des Schlosses! - In manchen Gemütern scheint der Brand mehr Schaden angerichtet zu haben, als in Wirklichkeit.

Was verloren ging

Bei dem Brand fand der krönende Globus seinen Untergang. Am 2. November 1679 hatte Herzog August, der Erbauer des Schlosses, auf dessen Hauptturm einen hölzernen vergoldeten Globus unter Feierlichkeiten aufsetzen lassen, nachdem schon im Jahre vorher die die Uhr dort angebracht wurde. 33 Jahre später, am 6. November 1712 ersetzte ihn, Herzog Christian weil er schadhaft geworden war. Der Globus war aus Kupfer und vergoldet. Um ihn war der Meridian gelegt, auf ihm waren der Äquator, die Wendekreise des Krebses und des Steinbocks und der Tierkreis mit seinen in Kupfer getriebenen 12 Bildern angebracht. Die astronomischen Linien waren weiß gestrichen, die Bilder des Tierkreises stark versilbert. Der Globus wog 7 Zentner und 86,5 Pfund. Beim Brande nun waren der Globus, die Uhr und deren Glocke in den Schloßhof hinabgestürzt und teils zerschmettert, teils von der Hitze geschmolzen. Man konnte aber aus den Trümmern wenigstens den Äquatorstreifen mit Inschrift wieder zusammensetzen. Ebenso fand man in den Trümmern 7 der Tierkreisbilder, den Schlüssel zur Turmuhr und einige Bruchstücke der Glocke mit der Jahreszahl 1739.

Der Wiederaufbau

1935 Schloßkugel wird durch die Stadt gebracht gebracht.

Mehr als Zwei Jahre gingen ins Land bis endlich die Pläne gereift waren und der Schloßturm 1935 endlich im Neuen Glanz strahlte. Die Kugel ist am Mittwoch den 11. Juni 1935 auf der Schlosskuppel aufmontiert worden, wobei die Innenkonstruktion aus Eisen und Holz, die die Kugel versteift und auf dem Schacht festhält, im Schloßhof ausgebaut werden musste, da die Kugel sonst für das Hochziehen zu schwer gewesen wäre. So wurde die Kugel leer hochgezogen und auf den Schacht gesetzt und dann erst die Innenkonstruktion wieder aufgebaut. Die Arbeiter sah man hier und da aus dem Luken der Kugel herausschauen, was einen lustigen Anblick gab. An der Spitze des Blitzableiters wurde ein Richtstrauß befestigt, ein dunkler Punkt über der glänzenden Kugel, der aber bald vom wind zersaust wurde. Anzumerken ist noch die bedeutend größere Entfernung vom Dach der Kuppel.

Quellenangabe

Weißenfelser Tageblatt vom 22. Dezember 1932
Weißenfelser Tageblatt vom 23. Dezember 1932
Weißenfelser Tageblatt vom 22. Dezember 1935

Persönliche Werkzeuge


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