Die Ballonverfolgungsjagd von Weißenfels

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Anzeige im Weißenfelser Tageblatt vom 16. Mai 1925

Die Ballonverfolgungsjagd fand am 17. Mai 1925 in Weißenfels statt und war ein Großereignis das von Tausenden Menschen besucht wurde. Zugleich war es der erste Ballonaufstieg den die Stadt erlebte. Ermöglicht wurde dieser Aufstieg durch die neue Gasanstalt, denn durch die alte, die Braunkohlegas herstellte wäre der Ballon nicht in die Lüfte gegangen. Am Vorabend fand im Herrmannsgarten ein Lichtbildervortrag durch den damals bekanntesten Freiluftballonführer Herrn Petschow aus Berlin statt. Die Veranstaltung wurde vom Weißenfelser Verein für Luftfahrt und Flugwesen e.V. sowie vom Motorsportclub Weißenfels durchgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Die Regeln

Der Ballonaufstieg fand auf dem Sportplatz des Turnvereins Friesen statt und zwar wurde gegen 8 Uhr morgens mit der Füllung des Ballons „Hentzen“ begonnen. 14 Uhr war der Start des Ballons und der ihn verfolgenden Autos und Motorräder. Neben den Ballonführer flogen noch der Vereinsvorsitzende Dr. Kröber und Fabrikbesitzer Heinz Nolle mit. Sache der Verfolger war, den Ballon an seinen Landeplatz (dies konnte der Ballonführer entscheiden) zu erreichen und zwar spätestens innerhalb 40 Minuten nach seiner Landung. Falls nicht binnen 10 Minuten nach erfolgter Landung ein Verfolger zur Stelle ist, ist der Ballon erster Preisträger, im umgekehrten Falle sind die Verfolger Sieger in der Reihenfolge, wie sie am Landungsplatz eintrafen. Autos und Motorräder wurden gleich gewertet. Die Teilnehmer trafen sich in den Vormittagsstunden im Cafe Viktoria und starteten auf dem Gelände hinter dem Gaswerk mit dem Anfahrtsweg Merseburgerstraße, Schlachthofstraße.

Die Verfolgungsfahrt

Einen prächtigen Maiensonntag bescherte der Himmel den beiden Vereinen für ihre Veranstaltung. Netz und Ballon wurden in den Morgenstunden auf den Platz der Friesen in der Neustadt in Ordnung gebracht, der Anschluß an die vom Gaswerk auf dem Platz gelegte Gasleitung hergestellt und bald begann man Gas in die Hülle zu blähen. Prall leuchtete um die Mittagsstunde die wohlgefüllte gelbe Kugel in der Sonne. Die neun Autos und zwölf Motorräder hatten sich zur Verfolgungsfahrt aufgestellt. Aber ganz so einfach sollte es doch nicht werden, von der Erde loszukommen. Die unablässig vom blauen Himmel strahlende Sonne hatte stärkere „Bodenböen“ im Gefolge, die den Ballon lustig über den Sportplatz tanzen ließen. Die Korbinsassen wurden dabei kräftig durcheinander geschüttelt, aber endlich – 2:28 Uhr erscholl das Kommando: „Achtung, anlüften!“ „Aufziehen!“ „Laßt los!“ und mit beträchtlicher Geschwindigkeit verfolgt von den Blicken der zahlreichen Menge stieg der Ballon auf etwa 600 Meter Höhe und flog in westlicher Richtung, nach Freyburg davon.

Kaum hatte sich der Ballon in die Lüfte erhoben starteten die Fahrzeuge. Während die Autos den Weg über das Luftschiff bei Pettstädt einschlugen, fuhren die Motorräder ihre eigene Straße, nämlich auf dem rechten Saaleufer über Naumburg nach Freyburg. Zwei von ihnen stürzten leider und mußten das Rennen aufgeben. Der Ballon flog steht’s genau westlich mit einer Geschwindigkeit von ca. 26 km/h und ging über Laucha auf etwa 60m über das Gelände runter und kam dadurch einigen Fahrer außer Sicht. Ein Teil der Autos fuhr nun Richtung Eckardsberga, der andere Richtung Bibra. Der Ballon stieg dann auf ca. 1200 Meter Höhe und flog über Steinbach und Steinburg nach Kölleda zu. Der Ballonführer entschloß sich nun, hier niederzugehen, da weiter westlich das Gelände für die Autos wieder sehr übersichtlich und Straßenreich wurde. Aus dieser Betrachtung heraus ließ Herr Petschow den Ballon aus 1200 Meter Höhe stark fallend und landete 1,5 Kilometer südlich Kölleda – taktisch ein außerordentlicher geschickter – für die Verfolger aber nicht schöner – Zug, denn tatsächlich geriet der Ballon dadurch für diese, nachdem er bis hinter Bachra gut verfolgt werden konnte, plötzlich außer Sicht und war und blieb verschwunden.

Plazierungen

Nach Zurückgelegen 52 km, war der Ballon nach 1 Stunde und 45 Minuten 4:16 Uhr gelandet. Der Ballonführer hatte gut berechnet, denn innerhalb der festgesetzten zehn Minuten nach der Landung erreichte ihn kein Verfolger und der 1. Preis war damit seine. 12. Minuten nach der Landung erreichte ihn als erster (aber außer Konkurrenz fahrender) Chauffeur Zimmermann mit einen 16/50 Benz-Wagen des Herrn Nolle. 26. Minuten nach der Landung erschien als 2. Sieger der 8/24 „Brennabor“ des Herrn Kühn am Landungsplatz. Den 3. Preis errang als erster Motorradfahrer Herr Kehl auf 2,5 PS „Triumpf“ um 4:45 Uhr; den 4. Preis holte sich 4:46 Uhr Herr Pömpner mit seinem 10/35 N.A.G. Eine halbe Minute später trafen 3 Fahrzeuge fast gleichzeitig ein, von denen Herr Bruno Feierabend auf 15/50 „Elite“ den 6. Preis und Herr Heineck (Naumburg) auf 2 PS NSU. den 7. Preis erhielt. 4:47 Uhr traf der ebenfalls außer Konkurrenz fahrende zweite Wagen des Herrn Nolle, ein 8/24 „Stöwer“ ein und 4:48 Uhr erreichte Frl. Steingrüber, die als einzige Dame am Autolenkrad die Verfolgungsfahrt mitgemacht hatte, das Ziel und damit den 8. Preis. Weitere Verfolger trafen nicht ein. Gemeinsam machte man sich dann auf den Rückweg nach Weißenfels und traf gegen 20:30 Uhr nach einer herrlichen Fahrt mit schönem Wetter durch wundervolle Frühlingsnatur dort ein. Gemeinsam wurde der Abend mit der Preisverleihung im Hotel Monopol beendet.

Quelle

  • Weißenfelser Tageblatt vom 16. Mai 1925
  • Weißenfelser Tageblatt vom 18. Mai 1925
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