Kriegerdenkmal 1870/71 Weißenfels

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Kriegerdenkmal auf der Promenade

Das Kriegerdenkmal 1870/71 wurde am 18. Oktober 1874 auf der Promenade gegenüber Schumann´s Garten feierlich enthüllt. Im Jahr 1950 wurde es zerstört. Es erinnerte an die 28 Gefallenen Weißenfelser im Deutsch-Französischer Krieg. Es wurde angeregt von Weißenfelser Bürger die eine Versammlung am 1. Januar 1872 einberufen. Der Steinmetz der die Arbeiten durchführte war Herr Donnerhack aus Weißenfels.

Inhaltsverzeichnis

Daten

Es hatte eine Höhe von 7,62 Meter und war ein gotisches Bauwerk aus Seeberger Sandstein. Es hatte 8 Inschriften. Auf den Marmorplatten in Goldenen Buchstaben und auf den Sockel in schwarzen Buchstaben. Umzäunt war es mit einem Metalgitter.

Inschriften

Die Inschriften wurden in der Rechtschreibung geschrieben, die bis 1876 bestand hatte. (z.B. th)

Die Inschriften auf den Marmortafeln in Goldschrift


Auf der nördlichen Marmortafel:

Den
mit Gott
für König und Vaterland,
für Kaiser und Reich
in dem ruhmvollen Kriege
der Jahre 1870 und 1871
gebliebenen Söhnen
der Stadt Weißenfels
zur Ehre,
den späteren Geschlechtern
zur Lehre
errichtet
von dankbaren Zeitgenossen.


Auf der südlichen Marmortafel

In Seiner Einmüthigkeit wie in seinem Recht durfte
Deutschland die Bürgschaft finden, daß der Krieg
ihm dauernden Frieden bringen und daß aus der
blutigen Saat eine von Gott gesegnete Ernte
deutscher Freiheit und Einigkeit sprießen werde.


Auf der östlichen Marmortafel unter eisernem Kreuz die Namen der Gefallenen:

Friedrich Albrecht, Musketier.
Friedrich Böhme, Musketier.
Karl Kanzler, Füsilier.
Wilhelm Franke, Füsilier.
Raimund Gerner, Füsilier.
Heinrich Gunkel, Füsilier.
Friedrich Halbauer, Füsilier.
Max Heyland, Portepeefähnrich.
Louis Kahl, Musketier.
Albert Kamphoff, Pionier.
Gottlob Kirmse, Musketier.
Hermann Kößling, Füsilier.
Karl Krieger, Füsilier.
Otto Lorenz, einj. Freiwilliger.


Auf der westlichen Marmortafel unter eisernem Kreuz die Namen der Gefallenen:

Friedrich Meyer, Wehrmann.
Theodor Meyer, Grenadier.
Karl Pötzsch, einj. Freiwilliger.
Gustav Pretzsch, Musketier.
Karl Rammelt, einj. Freiwilliger.
Adolph Rey, Füsilier.
Wilhelm Röder, Gefreiter.
Franz Schlag, Wehrmann.
Gustav Schmidt, Füsilier.
Ernst Steps, Husar.
Karl Straubel, Unterofficier.
Otto Vetter, Musketier.
Karl Wolff, Unterofficier.
August Zimmermann, Füsilier.

Die Inschriften auf den Sockel in Schwarz

Auf dem nördlichen Sockel:

Doppelten Preis erranget Ihr sterbend im heiligen Kampfe:
Frieden und Freiheit uns – Euch aber Ehre und Dank!


Auf dem südlichen Sockel:

Sei getreu bis an den Tod, so will ich Dir
Die Krone des Lebens geben.
Offenbarung 2.10.


Auf dem östlichen Sockel:

Herausgefordert waret Ihr entschlossen, gleich unsern
Vätern und in fester Zuversicht auf Gott den Kampf
Zu bestehen zur Errettung des Vaterlandes.


Auf dem westlichen Sockel:

Es galt die Vertheidigung des bedrohten Vaterlandes,
unserer Ehre und des eigenen Herdes, und getrost
zoget Ihr in einen Kampf, den unsere Väter in gleicher Lage ruhmvoll bestanden.

Einweihungsfeier

Plan der Aufstellung
Die Feier der Enthüllung wurde eingeleitet durch einen Fackelzug der Gesangsvereine und durch Zapfenstreich der Kriegervereine am Vorabend und durch Reveille (Hornsignal) der letzteren am Morgen des Festes. Die Häuser der Stadt hatten ein festliches Gewand mit Flaggen und Fahnen angelegt.

Auf dem Marktplatz versammelte sich ein imposanter Festzug, an welchen sich auch viele auswärtige Kriegervereine beteiligten. Unter Glockenläuten setzte sich der Zug in folgender Reihenfolge in Bewegung zum Denkmal:

  • Droner des Festzuges und Stadtmusikchor
  • 3 Komiteemitglieder mit Abzeichen in städtischen Farben
  • 28 Mädchen mit 28 Lorbeerkränzen
  • Deputationen aus den ersten Knabenklassen aller Volksschulen
  • Deputationen aus den ersten Klassen der höheren Bürgerschulen und den Präparanden-Anstalt
  • 3 Komiteemitglieder und die Hinterbliebenen der Gefallenen
  • 3 Komiteemitglieder und aktive und inaktive Offiziere
  • 3 Komiteemitglieder und Staat- und städtische Behörden und Beamte
  • Geistliche und Lehrer
  • Denkmals-Vorstand und Comité
  • 3 Komiteemitglieder mit Seminaristen und Gesangsvereinen
  • 3 Komiteemitglieder mit Kriegervereine, Turnvereine, Schuhmacher-Innung, Gewerbeverein der Zimmerer und andere Vereine.

Auf dem Denkmalsplatze standen das Bataillon der Unteroffizierschule und zwei Escadrons des 12. Husaren-Regiments bereits in Parade, als der feierliche Festzug ankam und die verschiedenen Gruppen ihre angewiesenen Plätze einnahmen. Die Hinterbliebenen der Gefallenen bekamen einen Ehrenplatz direkt vor dem Denkmal. Die Feierlichkeiten begannen mit den Choral „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ was von Herrn Cantor Liebing dirigiert wurde und von der ganzen Versammlung kraftvoll vorgetragen wurde. Der Vorsitzende des Vorstandes hielt dann eine ehrende Rede über die Bedeutung des Denkmals. Dann fiel die Hülle des mit Flaggen, Blumen und Girlanden schön geschmückten Denkmals. Den Toden wurde der letzte ehrende Tribut der höchsten Anerkennung, Liebe und Trauer dargebracht. Die Truppen der Garnison präsentierten das Gewehr unter den Tönen ihrer Musik, die Fahnen der Kriegervereine neigten sich vor dem Denkmal und die 28 Schulmädchen legten ihre Lorbeerkränze am Fuße des Denkmals nieder. Die trauernden Angehörigen der Gefallenen schmückten dasselbe mit Blumen und Kränzen. Der Steinmetz Donnerhack aus Weißenfels übergab mit kurzer Ansprache dem Vorsitzenden des Denkmals-Vorstandes den Schlüssel zum Gitter des Denkmals. Dieser bedankte sich unter Anerkennung des Fleißes, Eifers und der Sorgfalt, welche der Meister auf das Gelingen seines schönen Werkes bei den ihm gebotenen begrenzten Mitteln verwendet hat. Nach Vorlesung einer Urkunde übergab der Vorsitzende das Dokument und den Schlüssel den Bürgermeister Hirsemann, der die Annahme des Denkmals als Eigentum der Stadt annahm. Die Weiherede hielt Archidiakonus Schröter mit den Text “ Wenn die Menschen schweigen, werden die Steine schreien“. Nach dem gemeinsamen Singen des Kaiserliedes „Heil dir im Siegerkranz“ brachte der Bezirkskommandant und Oberst-Leutnant a.D. Gündell ein dreimaliges Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König aus, welches enthusiastisch aufgenommen wurde. Mit dem Lied „Die Wacht am Rhein“ gesungen von allem Teilnehmer wurde die Versammlung beendet.

Zerstörung

Wie so viele Denkmäler in Weißenfels z.B. auch das Kaiser Wilhelm Denkmal, war dieses Kriegerdenkmal den Kommunisten ein Dorn im Auge. Auf der Stadtratssitzung vom 23. Januar 1950 wurde der Kostenvoranschlag als zu teuer empfunden, das Denkmal von der Promenade in den Stadtpark zu verlegen. OB Jünger machte noch den Vorschlag, einen Weißenfelser Künstler zu beauftragen, das Denkmal in Bildform festzuhalten und eine Urkunde mit den Namen der gefallen Weißenfelser zu erstellen. Stadtrat Ulrich sollte noch mal an Ort und Stelle eine Besichtigung vornehmen und einen kurzen Bericht erstellen, wie die „Angelegenheit“ zu einer Klärung zu bringen ist. Auf der Stadtratssitzung vom 30. Januar 1950 gab OB Jünger den Rat ein Gutachten des Stadtrates Ulrich bekannt. Daraufhin wurde beschlossen das Denkmal abzureisen. Die Platten sollten dabei schonend behandelt werden, um sie zu erhalten. Im Februar 1950 wurde das Denkmal vernichtet, und am 20. Februar 1950 auf der Stadtratssitzung wurde der Inhalt der im Sockel gefundenen Urkunde bekanntgeben. Diese sollte dem Stadtarchiv übergeben werden.

Quellen

  • Weißenfelser Kreisblatt vom 17. Oktober 1874
  • Weißenfelser Kreisblatt vom 19. Oktober 1874
  • Weißenfelser Kreisblatt vom 22. Oktober 1874
  • Protokoll der Stadtratssitzung vom 23. Januar 1950
  • Protokoll der Stadtratssitzung vom 30. Januar 1950
  • Protokoll der Stadtratssitzung vom 20. Februar 1950
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