Kriegerdenkmal 1914-18 (Hohenmölsen)

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Kriegerdenkmal auf den Töpfermarkt

Das Kriegerdenkmal 1914-18 steht auf den Töpfermarkt und wurde am 29. August 1926 eingeweiht. Die Idee hatte das Hohenmölser Denkmalskomitee. Es soll an die Gefallenen des 1. Weltkriegs erinnern und ist eine Schöpfung von Professor Erich Haase aus Weißenfels.

Inhaltsverzeichnis

Daten

Kriegerdenkmal im Jahr 2014. Foto, Steffen Schmidt

Das Denkmal ist eine Schöpfung von Professor Haase (Weißenfels) und besteht aus Freyburger Muschelkalk. Es wurde vom Bildhauer Erich Berger (Hohenmölsen) hergestellt. Den Sockel krönt ein Kreuz mit Stahlhelm (dieser Stahlhelm fehlt heute), mit der emporzüngelnden Flamme unvergänglicher Lebenskraft und einem goldenen Ring des Zusammengehörigkeitsgefühls, der das Kreuz umspannt. Den eigentlich künstlerischen Schmuck, das Sinnbild, hat Professor Haase selbst ausgeführt. Er ist das Symbol für das Volkslied „Ich hatt´ einen Kameraden“… Von einem über das Schlachtfeld schreitenden Pferd beugt sich der Reiter herunter, um einem am Boden liegenden sterbenden Kameraden zum letzten Male die Hand zu reichen…. „bleib du im ewigen Leben mein guter Kamerad“.

Am Vortag der Einweihung

Reges Leben und Treiben herrschte bereits am Vorabend der Denkmalseinweihung in Hohenmölsen. Auf dem Platze vor dem neuen Denkmal wurden die letzten Spuren der beendigten Arbeit beseitigt, Tribünen gebaut und reichlich Schmuck angebracht. Auch viele Häuser der Stadt wurden mit Girlanden und Fahnen geschmückt.

Tag der Denkmalsweihe

Kriegerdenkmal im Jahr 2014. Foto, Steffen Schmidt

Grau verhangener Himmel breitete sich am Sonntag über den Feststädtchen aus. Dumpfe Glockentöne am frühen Morgen läuteten die ernsten Feierlichkeiten ein. Von allen Seiten strömten Vereine zur Feier herbei. Festlich gekleidete Menschen eilten nach dem Marktplatze, wo der Festgottesdienst stattfand. Kurz vor 10 Uhr marschierten unter Vorantritt der Stahlhelmkapelle aus Halle die sieben hiesigen teilnehmenden Vereine und die auswertigen Vereine auf dem Marktplatze auf. Am Fuße des Denkmals aus dem Kriege 1870/71 erhob sich die in den alten und neuen Reichsfarben geschmückte Kanzel, umgeben von 16 Fahnen und einer Standarte. Ein festlicher Anblick. Mit dem gemeinsamen Gesang des alten Schutz- und Trutzliedes „Wir treten zum Beten“ begann der Gottesdienst. Nach einigen Erbauungsworten des Herrn Superintendent Deetjen sang der hiesige Kirchengesangsverein den gemischten Chor „Der alte Gott, der lebt noch“. Hierauf folgte die Festrede, der Vers 1 und 2 des 121. Psalms als Text zugrunde lag.

Festumzug durch die Stadt

Um 14 Uhr bot der Festumzug ein buntes und bewegtes Bild. An die 30 Fahnen vieler Vereine der Stadt und die Uniformen der Schützen, Feuerwehr, Bergleute, Kolonialkrieger, Turner usw. sowie das einheitliche Grau der zahlreich erschienenen Stahlhelmleute gaben den Umzug ein besonderes Gepräge.

Die Weihe des Denkmals

Angehörige der Gefallenen sowie eine zahlreiche Einwohnerschaft hatte sich am Denkmal eingefunden als Obersteiger Franke im Namen des Denkmalausschusses, nachdem der gemischte Chor des Kirchengesangsvereins Hohenmölsen durch „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ die Feier eingeleitet hatte, alle Anwesenden herzlich willkommen hieß. Er dankte vor allem den Kommissionsmitgliedern für ihre geleistete Arbeit und gedachte in warmen Worten der gefallenen Helden und der von ihnen geleisteten Heldentaten, die nicht umsonst geschehen seien, den die deutsche Volkskraft lebe und werde wieder aufblühen. Er verlas hierauf ein Schreiben an den Herrn Reichspräsidenten, auf welches dieser wie folgt geantwortet hat:

Am Tage der Einweihung des Denkmals der alten Marktstadt Hohenmölsen für ihre in treuer Pflichterfüllung für das Reich gefallenen Mitbürger gedenke auch ich der Helden, die ihr Leben für Deutschlands Rettung hingaben, und sende allen Teilnehmern an der ernsten Feier den Ausdruck meiner Kameradschaftlichen Gesinnung. gez. V. Hindenburg

Der Redner schloß mit einem dreifachen Hoch auf unseren Reichspräsidenten, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Das Deutschlandlied schloß sich an. Danach hielt Superintendent Deetjen die Weiherede.

Die Weiherede

„Die Bäume um den Denkmalsplatz haben für die Stadt eine symbolische Bedeutung. Sie sind gepflanzt worden als die Stadt von schwerer Krankheit bedroht war und sollten Gesundung bringen, die dann auch eingetreten ist. Möchten die Steine reden und uns Gesundung bringen von den Zuständen, in die uns die letzten Jahre gebracht haben. Keine Namen enthält das Denkmal. Die Gefallenen aus Hohenmölsen und Zetzsch sind nur ein Teil des gewaltigen feldgrauen Heeres, das Deutschland verteidigt hat gegen eine Welt von Feinden. Was unser Volk erlebt hat, das soll in uns weiter leben und das Heimatgefühl sollen wir hochhalten, denn aus diesem strömt uns neue Kraft. Reicht euch die Hand, steht zusammen in Kameradschaft und Liebe zu den Boden, aus dem ihr stammt in heiliger, tiefer Lebensgemeinschaft, in Treue fest, in Liebe stark, allzeit deutsch, deutsch bis ins Mark.“

Unter den Klängen „Ich hatt´einen Kameraden“ fiel hierauf die Hülle und Superintendent Deetjer weihte das Denkmal mit folgenden Worten:

„Denkmal zum Andenken der Gefallenen aus Hohenmölsen und Zetzsch. Ich weihe dich zum Wahrszeichen des Trostes und der Mahnung, zum Wahrzeichen unseres Gelöbnisses treu zu sein, alle Volksgenossen zu lieben und deutsch zu sein. Das walte der ewige Gott.“

Danach übergab der Hersteller des Denkmals, Bildhauer Bergner (Hohenmölsen), dasselbe an die Denkmalskommission, in deren Auftrage Obersteiger Franke dasselbe übernahm mit dem Wunsche, daß von dieser Stätte aus sich eine lebendige Kraft verbreite, die die Trauer der Hinterbliebenen veredle zu vereinigtem Streben im Sinne der Gefallenen. Bürgermeister August übernahm das Denkmal im Namen der Stadtverwaltung Hohenmölsen. Er schloß mit der Mahnung des alten Attinghaus: „Seid einig, einig, einig“ und brachte Hoch auf unser Vaterland aus, in das die Anwesenden begeistert einstimmten.

Nachfeier

Im „Preußischen Hof“ und im „Schützenhaus“ fand dann die Nachfeier statt. In beiden Lokalen, die überfüllt waren, wickelte sich das gleiche Programm ab. Generalmajor Eickhoff hielt eine Festrede. Der Abend wurde ausgefüllt durch Gesangsvorträge von Fräulein Scharlach und Fräulein Schnurr, turnerische Vorführungen, Theaterstücke und zwei Vorträge des Männerchors vom Gesangsverein „Lyra“.

Quelle

Weißenfelser Tageblatt, 30. August 1926

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